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06.02.2019 – 12.02.2019

Auf dem Weg nach Tata bemerken wir ca. 10 km vor der Stadt, dass unsere Bremsen ziemlich heiß werden. Wir bleiben stehen und schauen nach, können aber keine Unregelmäßigkeiten erkennen. Georg, unser Freund mit dem Magirus (von dem wir den Iglhaut übrigens gekauft haben), schaut ebenfalls drunter, da er die Technik des Fahrzeugs kennt. Auch er kann nichts erkennen und wir entscheiden, langsam erstmal bis nach Tata auf den Campingplatz zu fahren, und uns das Problem dort näher anzuschauen. Doch soweit kommen wir gar nicht. Auf dem Weg dorthin merken wir, dass es so nicht weitergeht. Das Rad eiert total und wir müssen stehen bleiben. Wir schrauben alles auseinander und schon kommt uns das Radlager völlig entstellt entgegen. Komisch, denn erst in Südspanien vor gerade einmal 3 Wochen hatten wir das Radlager in einer Werkstatt wechseln lassen. Zu allem Übel ist das Radlager aber nicht das einzige Problem. Durch das kaputte Radlager ist die Steckachse dermaßen heiß geworden, dass sie sich leicht verbogen hat. Dies verursacht auch das Eiern unseres linken Hinterrades. Fest steht, mit dieser Achse und ohne Radlager kommen wir keinen Meter weiter.

Bo fährt nach Tata und will schauen, ob er einen Abschleppwagen besorgen kann, damit wir nicht mitten auf der Straße unser Lager aufschlagen müssen. Mit einem Mechaniker namens Abdul kommt er zurück. Der Abschleppwagen ist ziemlich teuer und der Mechaniker will sich den Schaden zuerst mal anschauen. Er baut uns ruckzuck ein gebrauchtes Radlager ein und gibt uns zu verstehen, dass wir erstmal in langsamen Tempo mit zur Werkstatt fahren sollen. Wir sind zwar skeptisch, haben aber keine andere Wahl. So eiern wir also im Schritttempo in die Werkstatt nach Tata und parken in einem kleinen Innenhof neben der Werkstatt. Da es schon dunkel ist, wird an dem Tag nichts mehr gemacht. Der Rest unserer Truppe stellt sich mit den Autos in einen nahegelegenen Palmenhain und wir verbringen den Abend mit den Werkstattjungs bei ein paar Gläsern Tee.

Bevor es am nächsten Tag losgeht, werden wir erstmal zum Frühstück eingeladen. Die Jungs in der Werkstatt haben schon frisches warmes Brot besorgt und schenken Tee ein. Bevor ich aber den ersten Bissen nehmen kann, ruft mich der Werkstattleiter raus und führt mich in die Wohnung über der Werkstatt. Dort sitzen die Frauen der Familie. Verstehe! Ich soll also mit den Frauen frühstücken 😊. Die Mutter Aicha, mit ihren zwei Töchtern Latifa und Fatima kümmern sich rührend um mich und tischen sofort ein leckeres marokkanisches Frühstück mit selbstgemachtem Honig, Marmelade, Sesamöl und Butter für mich auf. Aiche spricht nur Arabisch, aber die Mädels können Französisch und sogar etwas Englisch. Wir lachen viel und sprechen über unsere Familien. Zwei Stunden später bin ich mit allen drei über Whatsapp, Facebook und Instagram verbunden, später zum Stadtspaziergang und zum Essen eingeladen und erhalte noch eine Einladung zur Hochzeit von Latifa im April in Agadir 😊. Später im Auto erhalte ich haufenweise Whatsapp Nachrichten mit vielen Herzen und Küssen, die mich aufheitern sollen, weil wir ja nun mal immer noch das Achsenproblem haben. Außerdem gibt uns der Werkstattleiter einen Schlüssel für eine Wohnung neben der Werkstatt. Dort gibt es eine Toilette und eine Dusche, die wir nutzen können. Wenn das nicht mal cool ist! 😊

Zurück am Auto und bei Oli sind die Arbeiten schon im vollen Gange. Alles wurde wieder auseinandergehämmert, damit jeder der Mitarbeiter auch versteht, wo der Fehler liegt. Wir brauchen eine neue Steckachse, samt neuem Radlager. Ein neues Radlager haben wir glücklicherweise im Gepäck, aber die Suche nach einer Steckachse gestaltet sich leider schwierig. Marokko ist ja eigentlich DAS Land für Mercedes Bremer. Problem bei uns, wir haben ein Sperrdifferential, bei welchem die Steckachse anders aussieht, als bei einem normalen Mercedes Bremer. Der Werkstattleiter gibt uns zu verstehen, dass er nicht die Achse besorgen kann, die wir brauchen. Hmmm, was nun? Richtig, erstmal wieder Tee trinken und überlegen…

Mit dem Rest unserer Truppe überlegt Oli, ob er eventuell selbst zusammen mit Peter und Peters Auto nach Agadir fährt. Dort gibt es einen riesigen Schrottplatz, auf dem angeblich JEDES Ersatzteil zu finden sein soll. Falls wir bis zum nächsten Tag noch keine andere Möglichkeit haben, wollen die beiden die 250 km fahren, um eine neue Achse zu besorgen.

Den Rest des Tages nutzen wir, um etliche Freunde, die ebenfalls in Marokko unterwegs sind, zu mobilisieren, nach einem passenden Ersatzteil zu suchen. Viele haben spezielle Werkstätten, mit denen sie in Kontakt treten können.

Als am nächsten Tag noch keine Lösung in Sicht ist, fahren Oli und Peter nach Agadir. Ich bleibe derweil bei unserem Auto an der Werkstatt und vertreibe mir die Zeit, indem ich mit Sam spazieren gehe, durch die Stadt schlendere oder mit den Mädels quatsche. Immer wieder schreibe ich Oli an und frage nach dem Stand der Dinge. Aber es sieht schlecht aus, sie haben schon fast alle Händler vor Ort durch und bis dato ist noch keine passende Achse in Sicht. Doch plötzlich tut sich was… Der allerletzte Händler präsentiert ihnen gleich 2 Achsen für den Bremer. Und tatsächlich, eine der beiden Achsen ist die richtige 😊. Oli schlägt natürlich sofort zu und mit 500 Dirham (ca. 46 Euro) ist auch der Preis relativ gut. Freudestrahlend kommen die beiden zurück und auch mir fällt ein Stein vom Herzen!

Am nächsten Tag gehen wir an den Einbau. Eine kleine Hürde haben wir noch zu überwinden, da wir das Radlager für den Einbau erst heiß machen müssen. In modernen Werkstätten wird sowas mit einer speziellen Presse gemacht, allerdings hat die marokkanische Werkstatt sowas nicht. Für die Marokkaner eigentlich kein Problem, denn sie nutzen einfach einen Hammer 😉. Das hat aber zur Folge, dass sie eigentlich nur mehr kaputt machen als heile… Wie lange ein so eingebautes Radlager dann hält, vermögen wir nicht zu beurteilen. Also machen wir es lieber selbst. Wir klemmen uns die Steckachse und alle Teile unter den Arm und gehen zum Campingplatz, wo Bo, Peter und Georg bereits auf uns warten. Der Einbau wird soweit vorbereitet. Um das Radlager heiß zu machen, nutzen wir unseren kleinen Kochtopf, etwas Motoröl und einen Gaskocher. Als das Öl anfängt zu qualmen, legen wir das Radlager rein, warten etwas und lassen es mithilfe einer Zange kurz darauf über die Steckachse fallen. Falls was nicht passt, haben wir keinen zweiten Versuch, daher ist das ganze für uns mit ziemlicher Aufregung verbunden. Aber es geht alles gut und ein paar Minuten später halten wir freudig unsere neue Steckachse samt sauber montiertem Radlager in der Hand.

Wieder beim Auto, bauen wir die Achse wieder ein und verabschieden uns herzlich von allen Mitarbeitern und der Familie an der Werkstatt. Geschafft! Wir rollen wieder 😊

Mal abgesehen von unserem Achsenproblem, haben wir an den vergangenen Tagen und Abenden den schönen Ort Tata wirklich liebgewonnen. Die Einwohner sind offen und sehr freundlich. Außerdem gibt es dort viele kleine schöne Cafés und Snackbuden, in denen wir uns mit Bo, Peter und Georg fast jeden Abend einfinden. Natürlich könnten wir alle auch in unseren Fahrzeugen selbst was brutzeln, aber die Preise fürs Essen sind einfach dermaßen unschlagbar, dass es sich teilweise überhaupt nicht rechnet, selbst zu kochen. Für ein typisch marokkanisches Sandwich mit Kefta, einer großen Portion Pommes und Getränk zahlen wir gerade einmal 18 Dirham (ca. 1,70 Euro) pro Person :-).

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Eine tolle und spannende Reise, man fühlt sich direkt bei euch in Marokko zu sein…Klasse weiter so…ich wäre natürlich lieber direkt bei euch, um mit euch Marokko zu erkunden👍😊LG Volker

Antworten

    Vielen Dank lieber Volker :-). Freut uns, dass dir unsere Reise und die Beiträge gefallen. Na los, setz dich ins Auto und fahr her! 😉

    Antworten

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